06 / Eine eigene Publikationsspur

Zuger Zeitung

Entschuldigung 2017 · bis heute ohne Richtigstellung

Eine Zeitung mit Monopolstellung, die Walchwil-Behauptung, eine freiwillige Entschuldigung 2017, der nichts folgte, und drei gescheiterte Anläufe gegen MEISTGEKLICKT.

Die Neue Zuger Zeitung von 2014/2015 und die heutige Zugehörigkeit zu CH Media werden zeitlich auseinandergehalten. Die Entschuldigung von 2017 ist eine eigene öffentliche Erklärung des Hauses. Die Gesuche von 2024 und die Anzeige von 2025 stammen dagegen von einer Privatperson und nicht von der Zeitung.

Stationen und Belege

28.12.2014 / Dokumentiert

Die Vorgeschichte, die es nie gab

Unter dem Titel «Es funkte schon früher» berichtet die Zeitung am 28. Dezember 2014 von einer Annäherung zwei Tage vor der Landammannfeier, an der Kantonsratspräsidentenfeier in Walchwil. Als Quelle dienen Kantonsräte, die anonym bleiben wollen. Jolanda Spiess war an jenem Abend nicht dort. Sie kochte zu Hause mit ihrem Mann die Vorspeise für das Weihnachtsmenü. Ihr Dementi stand am Folgetag als Nebensatz in derselben Zeitung, richtiggestellt wurde nichts. Der Blick übernahm die Darstellung auf der Titelseite. Ein Anruf bei den Organisatoren der Feier hätte genügt. Die Meldung ist bis heute nicht korrigiert.

Nie richtiggestellt

27.12.2014 – 2015 / Dokumentiert

Eine Zeitung, eine Version

Die Zuger Zeitung hat im Kanton eine Monopolstellung, und sie gibt den Ton vor. Am 27. Dezember 2014 füllt der damalige Chefreporter eine ganze Seite mit einem Erlebnisbericht ohne Quellenangaben, bebildert mit eigenen Aufnahmen vom Fest: «Die beiden klebten den halben Abend aneinander wie zwei frisch Verliebte.» Über Monate folgen Leserbriefe, Tag für Tag. Richtigstellungen kommen in dieser Zeit von zentralplus, nicht von der Zeitung selbst. Das WOZ-Medientagebuch kritisiert die Berichterstattung im März 2015.

Historische Publikation · Medienkritik

15.05.2017 / Dokumentiert

Die Entschuldigung, und dann nichts

Im Bericht über das erstinstanzliche Urteil gegen den Vizechefredaktor der Weltwoche schreibt die Zeitung im Schlussabsatz: «Auch dieser Zeitung sind Fehler unterlaufen. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Und die interne Qualitätskontrolle weiter verbessern.» Erzwungen hatte das niemand: Die Zeitung war in keinem dieser Verfahren Partei, verurteilt wurde die Weltwoche. Ringier entschuldigte sich erst drei Jahre später, nach zwei Instanzen. Was in den drei Sätzen fehlt, ist alles Übrige. Welche Fehler gemeint sind, steht nicht da. Kein Beitrag wurde zurückgezogen, keine Behauptung richtiggestellt. Die Walchwil-Meldung von 2014 steht unverändert.

Öffentliche Entschuldigung · ohne Richtigstellung

21.06.2019 / Dokumentiert

Aufgearbeitet wird anderswo

Unter dem Titel «Das Zögern und Zaudern um eine Medienaffäre» ordnet die Republik die Entschuldigung in die Aufarbeitung des Falls ein und beschreibt die unterschiedlichen Haltungen innerhalb der Branche. Die Einordnung leistet damit ein anderes Medium. Der Bericht ist eine journalistische Darstellung, kein Nachweis einer gemeinsamen Steuerung.

Medienbericht

Dezember 2024 / Januar 2025 / Gerichtlich festgestellt

Zehn Jahre später: zwei Gesuche gegen das Buch

Am 21. November 2024 erscheint MEISTGEKLICKT. Zwei Wochen später versucht der damalige Chefreporter, den Verkauf zu stoppen, und reicht dasselbe Gesuch bei zwei Gerichten gleichzeitig ein. Das Bezirksgericht Zürich weist es am 6. Dezember 2024 ohne Anhörung als offensichtlich unbegründet ab, unter anderem weil er im Buch gar nicht genannt ist. Das Kantonsgericht Zug lehnt den superprovisorischen Antrag am 5. Dezember 2024 ab und tritt am 21. Januar 2025 nicht auf das Gesuch ein, weil der Kostenvorschuss ausbleibt. Die Kosten beider Verfahren trägt er selbst. Er handelt dabei für sich, nicht für die Zeitung.

Erledigt · Kosten zulasten des Gesuchstellers

25.03.2025 / Gerichtlich festgestellt

Und eine Anzeige, die nicht an die Hand genommen wird

Danach folgt eine Strafanzeige wegen Ehrverletzungsdelikten gegen Jolanda Spiess. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug nimmt das Verfahren am 25. März 2025 nicht an die Hand. Drei Anläufe, drei Mal ohne Ergebnis. Richtiggestellt ist bis heute keine einzige Meldung von damals.

Nicht an die Hand genommen

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